Integrated Project funded by the
European Community,
Framework Programme 6

coordinated by the
Max-Delbrueck-Center
for Molecular Medicine (MDC)
Berlin-Buch
Zusammenfassung

In Europa sind schätzungsweise 4,5 Millionen Menschen von chronischen Nierenerkrankungen betroffen. Zwar sind ältere Menschen davon überproportional betroffen, aber auch bereits Kinder leiden in hohem Maß darunter. Chronische Nierenerkrankungen stellen eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt dar; die jährliche Todesrate bei Patienten liegt bei 20 %. Diese hohe Zahl und die damit verbundene Herausforderung für die Gesellschaft stehen im Mittelpunkt unseres Vorhabens.

Die Aufklärung der Erbsubstanz des Menschen und anderer Lebewesen läutet einen neuen Abschnitt der biomedizinischen Forschung ein und bietet bisher unübertroffene Möglichkeiten, Krankheitsprozesse zu verstehen und therapeutische Strategien zu entwickeln.

Wir wollen diese Möglichkeiten in einem interdisziplinären Forschungsprogramm, dem European Renal Genome Project (EuReGene) nutzen, welches die europäischen Spitzenlaboratorien der Forschung in den Bereichen der Nierenentwicklung, Pathophysiologie und Genetik vereint. Unser Ziel ist es, die für die normale und die krankhafte Entwicklung der Niere verantwortlichen Gene, deren Proteine und Verhalten zu identifizieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir ein Konsortium aus führenden Wissenschaftlern, Ärzten und Partnern aus der Wirtschaft gegründet. Dieses konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Technologien und Instrumente im Bereich der funktionellen Genetik und deren Anwendungsformen für die Nierenforschung. Wir werden Studien verwenden, die den genetischen Code in verschiedenen Systemen vergleichen und die nutzbare Modelle liefern. Diese umfassen verschiedene Organismen wie Zebrafisch, Krallenfrosch, Mäuse und Ratten. Diese Studien finden auf verschiedenen Ebenen statt und umfassen das Gen, die Zelle, das Organ und den gesamten Organismus.

Letztendlich wird die Identifikation der für die Krankheit verantwortlichen Gene zu einem besseren Verständnis von Prozessen von Nierenerkrankungen führen, was die Diagnose und die Therapiemöglichkeiten verbessern wird. Unser Programm soll eine Vorbildfunktion für einen integrierten Ansatz bei der Analyse krankheitsbezogener Entwicklung einnehmen, indem die nun vorliegenden genetischen Informationen genutzt werden. Dies kann in Zukunft auch auf andere Organe oder andere spezifische Erkrankungen/Krankheitsbilder übertragen werden.


Allgemeine Zielsetzung
Seit der Vervollständigung menschlicher und anderer Genome durch Genomprojekte wie das Human Genom Projekt bieten die nun vorhandenen genetischen Informationen unübertroffene Möglichkeiten der vergleichenden Analyse der Genome verschiedener Organismen. Ziel ist die fundierte Kenntnis der genetischen Basis menschlicher Krankheiten. Innerhalb des EuReGene Projektes werden funktionelle Instrumente und Methoden entwickelt (Tiermodelle eingeschlossen), die auf die Anforderungen der Nierenforschung zugeschnitten sind. Diese sollen in den Schwerpunktbereichen der Erforschung der Nierenentwicklung und Fehlentwicklung / Erkrankung Anwendung finden.

Die im EuReGene-Programm gewonnenen Erkenntnisse werden Wissenschaftlern und Interessensvertretern durch frei zugängliche Datenbanken und Internetseiten zur Verfügung gestellt.

EuReGene verfolgt spezifische Ziele in vier Bereichen, die in der funktionellen Genomforschung der menschlichen Nierenerkrankungen besonders relevant sind:
funktionelle Genom-Technologien (Thema 1)
Nierenentwicklung (Thema 2)
Pathophysiologie (Thema 3)
Komplexe Genetik (Thema 4)
Die Entwicklung neuer Instrumente, Methoden und Mittel in der Genomforschung (Thema 1) sind technologische Ziele, die von den weiteren Themenfeldern verwendet werden und diese umspannen, wie die Abbildung verdeutlicht.

Dies bezieht sich auf die krankheitsbezogenen Projekte der renalen Entwicklung (Thema 2), Pathophysiologie (Thema 3) und der komplexen Genetik von Nierenerkrankungen (Thema 4).

 

Modellsysteme

Eine der wichtigen Methoden innerhalb des Forschungskonsortiums ist die Verwendung von Tiermodellen. Die relevanten Organe ausgewählter Tierarten weisen eine ausgeprägte Ähnlichkeit mit der menschlichen Niere auf, so dass sie als Modell herangezogen werden. Auch wenn hiermit eine gewisse Vereinfachung verbunden ist, lassen sich doch Vorgänge in der Prozessentwicklung der (erkrankten) menschlichen Niere ableiten. Auch die Wirkung therapeutischer Maßnahmen muss zunächst anhand der Modelle erprobt werden, bevor sie beim Menschen zur Anwendung kommen können.

Seien Sie versichert, dass Tiere nicht leichtfertig im EuReGene Projekt verwendet werden. So weit als möglich greifen wir auf alternative Forschungsstrategien zurück. Dennoch lässt sich für einige Studien die Nutzung der Tiere nicht vermeiden. Selbstverständlich entsprechen die Studien den strikten Auflagen, die die Tierethik-Komitees der beteiligten Partner formulieren.

 

Innerhalb von EuReGene werden die folgenden Tiermodelle verwendet:

Zebrafisch
Zebrafischembryonen eignen sich als anschauliche Modelle zur Erforschung der Nierenentwicklung. Prof. Nick Hastie verfügt über eine etablierte Einrichtung mit Fischen und wird dort von zwei Vollzeitkräften unterstützt. Sein Labor hat Reporterstämme entwickelt, um spezifische Nierenzelltypen unter Anwendung von Fluoreszenz zu markieren und nachzuverfolgen, aus welcher Zelle welche Strukturen entstehen. Innerhalb des EuReGene-Projektes wird er genetische Varianten entwickeln und durchsuchen, um Gene zu identifizieren, die die Entwicklung der Niere regulieren.

   

Xenopus
Ein weiteres Wirbeltier, welches ein einfaches Modell der Nierenentwicklung darstellt, ist der Krallenfrosch (Xenopus). Prof. André Brändli hat umfassende Erfahrung in der Nutzung dieses Modellsystems beim Studium der Schlüsselgene in der Entwicklung der Niere. Er unterhält die größte Einrichtung dieser Art in der Schweiz, die auf den neuesten Stand der Technik zurückgreift. Er wird hier einen Genexpressionsatlas der sich entwickelnden und der adulten Niere entwickeln. In einem umfassenden Experiment wird die Aktivität aller potentiell in der Niere wichtigen Gene zu verschiedenen Zeitpunkten der Entwicklung der Niere bestimmt. Diese wird dann mit der Aktivität vergleichbarer Gene in der Mausniere verglichen.

   

Mäuse sind innerhalb der höheren Wirbeltiere das Modell der Wahl, um genetische Manipulation bei höher entwickelten Wirbeltieren auszuführen und Genfunktionen zu testen. Etwa die Hälfte der teilnehmenden Gruppen hat Erfahrung in der Erzeugung von Mausmodellen. Hier werden wir sowohl systematische Entwicklung genetischer Varianten und die Spaltung von Kandidatengenen nutzen, um die für Krankheiten verantwortlichen Gene zu identifizieren. In systematischen Verfahren wird Professor Roger Cox chemisch verursachte genetische Veränderungen in Mäusen und deren Sperma nutzen, um Mausmodelle in großem Umfang herzustellen. Bezüglich der Kandidatengene werden viele Partner Gen-Inaktivierung anwenden, um den Verlust von Genfunktionen zu studieren. Die Entwicklung von Zelllinien unter Anwendung von Fluoreszenz dient der Dokumentation von Veränderungen der Zelle in der Entwicklung. Dabei werden gewebespezifische Überexpressionen genutzt, um den Beitrag von Genen bei verschiedenen Nierenerkrankungen zu analysieren. Prof. Nick Hastie und Prof. Andreas Schedl werden neuartige Mauszelllinien und Organkulturen als alternative Experimentalsysteme zur Erforschung der Entwicklung und Funktion der Niere entwickeln.

   

Ratten bieten Krankheitsmodelle, die viele Aspekte der genetischen Komplexität und der gestörten Physiologie des Krankheitsprozesse in der Niere, wie sie beim Menschen erscheinen, widerspiegeln. Dr. Guiseppe Remuzzi und Prof. Friedrich Luft werden spontane Rattenmodelle mit Nierenschäden, die zu Eiweißverlust führen sowie transgene Modelle mit durch Hypertonie (Bluthochdruck) verursachten Nierenschäden nutzen, um Kandidatengene in den korrespondierenden Krankheitsprozessen zu analysieren.

 
  last update 08.04.2009, by Mike Wicks